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Wein Knigge

... oder wie verkoste ich Wein richtig?

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Sie sind zu einer Weinverkostung oder Weinprobe eingeladen und haben keine oder wenig Ahnung davon, wie man Wein beurteilt? Denken Sie etwa, man kann Wein nur mit einem „kritischen Blick und ernsten Gesicht“ probieren? Diese Idee verwerfen Sie bitte sofort wieder!

Ich zeige Ihnen heute, wie Sie einen Wein verkosten können. Sie werden sehen, es ist keine Hexerei und schon gar nicht nur den Weinkennern vorbehalten. Jeder, der Interesse und eine gehörige Portion Neugierde mitbringt, kann das richtige Weinverkosten lernen. Natürlich überlassen wir den Sommeliers, Connaisseurs und Winzern eine fachliche Beurteilung und die Zerlegung der Weine in ihre sensorischen Bestandteile, aber wir können trotzdem eine gemeinsame Sprache - die Weinsprache - beim Sehen, Riechen und Schmecken sprechen.

Noch bevor wir einen Schluck Wein zum Mund geführt haben, gibt es viele Informationen für unser Gehirn.

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  • Welche Farbe hat der Wein?
  • Wie sieht er aus?
    Matt, glänzend, leuchtend hell oder intensiv farbig?
  • Wie riecht er? An was erinnert mich dieser Duft?
    Fruchtig duftendes Obst, eine frisch gemähte Wiese, die neue Ledertasche oder köstliche dunkle Schokolade? Wein hat ca. 800 Aromen, die wir nicht annähernd alle erfassen können.

Je mehr Informationen wir über den Wein haben, desto besser können wir seine Aromensprache verstehen. Am Anfang fällt es uns sicher schwer, mit dem Wein zu kommunizieren. Vielleicht kommen Sie sich ein wenig albern vor, aber fragen Sie den Wein einfach, was er Ihnen mitteilen möchte. Wo ist er aufgewachsen? Sein Boden, sein terroir? Wo hat er seine Jugend verbracht? Im Edelstahltank oder im Holzfaß? Beschnuppern Sie ihn intensiv und nehmen Sie alle seine Signale auf. Sie werden sehen - er spricht mit Ihnen! 

Nachdem wir seine Farbe und Reflexe eingeordnet haben, bei Rotwein von Purpur über Rubinrot bis zu Rotbraun und beim Weißwein von Hellgrün über Blassgelb bis zu Bernstein, schnuppern wir intensiv „wie ein Hund“ in kurzen Zügen an unserem (hoffentlich perfekt ausgesuchten!) Weinglas. Lassen Sie den Wein im Glas (das wir immer am Stiel greifen), einige Runden Karussel fahren, um dann erneut daran zu riechen.

Weinverkostung

Dann dürfen Sie den ersten Schluck nehmen. Damit sollen Sie Ihren Mund „tapezieren“ und alle Geschmacksknospen umspülen. Bitte, kauen Sie jetzt den Wein. Ihre Zunge kann nur süß, salzig, bitter und sauer erkennen. Umami ist ein weiterer Begriff aus dem japanischen und bedeutet „fleischig, würzig, wohlschmeckend“. Aber beim Weinverkosten passiert ca. 80 % der Wahrnehmung über das Riechen und nicht über das Schmecken. In Ihrem Mund „fühlen“ Sie nun etwas, das Mundgefühl. Ist es angenehm, säuerlich und adstringierend oder ist es fruchtig und leicht, so dass der Wein „auf Ihrer Zunge tanzt“? Das sagt uns viel über die Kraft und Aromen des Weines. Nase und Mund kommunizieren nun miteinander und geben unserem Gehirn Informationen. Die meisten Aromen werden mit einem „verwandten Geruch“ beschrieben, deswegen spricht man von roten Früchten beim Rotwein und hellen Früchten beim Weißwein. Den Geruch eines Weines beschreiben wir als „Bouquet“ (aus dem Französischen: Blumenstrauß). Und jeder Blumenstrauß duftet bekanntlich anders, weil er viele verschiedene Düfte vereint. 

Man unterscheidet drei Arten von Aromen

  • Primäraromen - diese Aromen besitzt die Traube von Natur aus, je nach Rebsorte
  • Sekundäraromen - entstehen während der Gärphase
  • Tertiäraromen - entwickelt der Wein während der Reifezeit

Nachdem Sie den Wein geschluckt haben, entscheidet die Nachhaltigkeit (die Länge des Nachgeschmacks in Ihrem Mund), ob es ein eher leichter Wein war oder ein gehaltvollerer Wein.

Ich rate Ihnen…üben, üben, üben.

Ein Seminar bei einem Wein- und Genussdozenten  wird Ihre Sinne schärfen. Damit Sie anschließend die Eindrücke vertiefen können, besuchen Sie doch eine unserer zertifizierten Vinotheken zum umfassenden Probieren, und lassen sich von den Winzern Einzelheiten über den Werdegang ihrer Weine erzählen. Eine sehr spannende und vor allem lehrreiche Möglichkeit, sich Franken und seinen Weinen zu nähern.

Bleiben Sie neugierig!

Ihre Martha Gehring


Basiswissen Frankenwein

Wissenswertes rund um Weinbau und -genuss

Martha Gehring - Winzerin aus Leidenschaft und fränkische Weinbotschafterin - erklärt für "Franken - Wein.Schöner.Land!" mit Text und Bild Wissenswertes rund um Weinbau und -genuss.

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